Vier Hunde. Man sollte meinen, ich weiß, was ich tue.
Aber dann ist da Rumi.
Er bellt Fremde an – nicht alle, nur manche, doch ich erkenne kein Muster. Er hängt in die Leine, wenn ein Auto mit Anhänger vorbeischeppert. Er pöbelt Hunde an, die es wagen seinen Weg zu kreuzen. Wir üben. Wir trainieren. Es geht langsam. Es triggert mich.
Nicht nur das Bellen. Was mich wirklich trifft, ist der Blick der Leute. Dieses kurze Wegschauen, das lauter sagt als jedes Wort: «Die kann ihren Hund nicht erziehen.» Ich möchte im Boden versinken. Ich weiche aus.
Rückzug statt Konfrontation. Ausweichen statt Dranbleiben.
Moment – kenne ich das nicht auch noch von woanders?
Was wäre, wenn Rumi mein Lehrer ist?
Nicht der Lehrer, den ich mir ausgesucht hätte. Aber vielleicht genau der, den ich brauche. Er zeigt mir in Echtzeit, wo ich Scham fühle, wo ich mich klein mache, wo mein erster Impuls Flucht ist statt Präsenz.
Mein Seelenhund – der war leicht. Er hat mir gezeigt, wie Liebe sich anfühlt, wenn sie reibungslos fließt.
Rumi zeigt mir, wie ich bin, wenn es reibt.
Reaktiv. Das Wort verwende ich für ihn. Aber bin ich, in manchen Momenten, nicht genauso? Ein fremder Blick, eine stille Kritik, das Gefühl, nicht zu genügen – und schon ziehe ich mich zurück, belle innerlich, hänge in meiner eigenen Leine.
Rumi macht es sichtbar. Laut. Unübersehbar.
Vielleicht ist das sein Geschenk. ❤️



